Die Macht der Gewohnheit, ich liebe sie. Aber während ich Gewohnheiten liebe, das Vertraute schätze und brauche, ist der Mann völlig anders drauf. «Gewohnheiten langweilen mich», sagte er einmal zu mir. «Du willst immer an dieselben Orte – Namibia, Kanada.» Ja, das stimmt. Für mich sind Orte, die ich einmal liebe, Orte, an die ich zurückkehre.
Meine Gewohnheit am Morgen
Ich habe eine Schreibgewohnheit: Jeden Morgen nach dem Aufwachen gehören die ersten Stunden mit Kaffee im Bett meinem aktuellen Buchprojekt. Ich weiss ganz genau: Wenn ich aufstehe, ohne an meinem Roman zu schreiben, tue ich es im Verlauf des Tages nicht, weil ich es immer aufschiebe. Es kommen E-Mails, die Wäsche muss gemacht werden, die Arbeit – und und und… Abends mag ich nicht gern schreiben. Da ist mein Geist müde. Es gibt Menschen, die brauchen das nicht. Die können stundenlang an einem Schreibprojekt sitzen, es dann wieder für einige Tage weglegen. Aber wie nachhaltig ist das? Social-Media-Formate wie ein «10 000-Word-Day» – schreibe 10 000 Wörter an einem Tag – klingen gut, aber von 52 Teilnehmenden erreichten nur sechs die 10 000 Wörter. Ich sage: Das ist pure Überforderung für unseren Geist.
Die Macht der Gewohnheit ist nachhaltig
Eine Gewohnheit ist nachhaltig: Es dauert, sie aufzubauen, wie beim Sport. Am Anfang ist es hart, am Anfang arbeitest du viel. Doch irgendwann arbeitet die Gewohnheit für dich, weil sie dir in Fleisch und Blut übergegangen ist. Weil dir etwas fehlt ohne die 30 Minuten Schreibzeit am Morgen. Eine Gewohnheit kann auch mal pausiert werden – im Urlaub zum Beispiel.
Gewohnheiten haben den Vorteil, dass sie dir Entscheidungen abnehmen und das innere Verhandeln mit dir selbst: «Ich wollte heute noch schreiben.» – Tu es. – «Nein, ich mache erst die Wäsche.» – Jetzt schreib schon. – «Puh, jetzt bin ich zu müde.» – Morgen… Wir müssen also die Handlung nicht mehr in Frage stellen. Wir machen einfach.
Die Macht der Gewohnheit nimmt Dir Entscheidungen ab
Einfach machen… Und der Mann in meinem Leben?
Er mag keine Gewohnheiten, aber… er wurde durch seine Physio gezwungen, jeden Tag Übungen zu machen. Seit sechs Monaten, jeden Morgen. Neulich sagte er zu mir, wie dankbar er dafür ist. Und: Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er erleben können, wie er durch tägliche Übungen immer besser wird. Jeden Tag 20 bis 30 Minuten. Ich bin beeindruckt. Trotzdem plädiert er dafür, in diesem Jahr mal nicht nach Kanada oder Namibia zu reisen…
Wie du deine eigene Schreibgewohnheit aufbaust – für alle, die ein Buch angefangen haben und nicht weiterkommen – darum geht es in meinem Workshop am 4. Juni. Hier findest du mehr Infos.


