Der Mann in meinem Leben

Kolumne in der

Autorin Elke Reinauer

geschrieben von

Elke Reinauer - Die vielseitige Autorin

Journalistin, Autorin, Reisende, Leiterin einer NGO in Namibia, Kreativ-Coach und vieles mehr

Alkohol und Autofahren

Die Frau hat ein Grübelproblem, denn sie steigt so gerne ins Karussell ein und fährt damit. Was sie nicht bedacht hat, ist, dass der Mann alles mitkriegt, was die Frau so denkt, nun da wir eine Wohnung teilen. Er kann mitfühlen oder den Kopf schütteln, oder sich aufregen. Leider kann er nicht in ihren Kopf fassen und die ganze Grübelkette herausholen. Das muss die Frau schon selbst machen, am besten, wenn sie alleine zuhause ist und über den Mann nachdenkt: Bewegt er sich zu wenig, trinkt er zu viel? Wie viel hat er denn früher getrunken? Trinken alle Männer zu viel? Sind Moslems die besseren Männer, weil sie keinen Alkohol trinken? Langweilt er sich mit mir? Will er lieber zu seinen Freunden zum Bier trinken? Ohje, und gestern die Geschichte, wie er mit Schnaps und Bier von Freiburg hierher fuhr.

«Wann war das?», will  ich wissen, höchst beunruhigt. «Vor so drei Jahren», erzählt der Mann. «Ich wurde von der Polizei angehalten», aber es war alles in Ordnung. Er grinst. Mir fielen fast die Augen aus dem Kopf: «Du bist mit Schnaps und Bier noch gefahren?»

«Männer sollten am Tag höchstens zwei Bier trinken und Frauen eins», sage ich, «und da ist Schnaps nicht dabei.» Das habe ich neulich auf einer Webseite gelesen. Da stand dann auch, dass zwar ein Glas Bier erlaubt sei, wenn man Auto fährt, aber besser wäre keins.

Meine Gedanken wandern von der Webseite zurück zu einem Abend, als ich den Mann erst einige Wochen kannte, wir mit seinen Freunden im Rabenkeller sassen und einer sagte: «Er fährt immer mit Alkohol, daran musst du dich gewöhnen.» Grosses Entsetzen und Nachfragen bei dem Mann. «Ich trinke schon weniger wegen dir. Zwei Bier am Stammtisch und gelegentlich wenn ich ausgehe. Zum Beispiel mit dir.» Das stimmt. Wenn es um Alkohol geht, bin ich buchstäblich ausser Kontrolle: Ich will ihn gerne kontrollieren, obwohl das nicht gut ist und sich der Mann damit nicht wohlfühlt. Was bleibt? Das Thema loslassen. Doch dann grüble ich darüber nach, wie ich das Thema loslasse. Bitte trinke nichts mehr, wäre ein frommer Wunsch, und warum sollte er das tun? Weil ich so unsicher bin und damit nicht umgehen kann? Wie machen das andere Frauen? Ich trinke ja selbst Alkohol, aber das kann ich kontrollieren, glaube ich.
Ich finde, er hat einen schnellen Zug drauf. Doch ich mache es zum Thema, weil ich beruhigt sein will. Ich bin also entsetzt, als er mir die Geschichte erzählt, wie er von Freiburg nach Hause gefahren ist. Mit Bier und Wein. «Wie viel denn?», frage ich mit dünner Stimme.

«Fünf Kisten Bier und acht Flaschen Whiskey und Gin.» Er grinst wieder. «Hatte ich im Kofferraum. Die musste ich stapeln. Sah wild aus in dem kleinen Auto. Da hat mich die Polizei angehalten.»

So ein Schuft, er weiss es doch ganz genau. Zwischen Panik und Erleichterung will ich ihm etwas in seine Grinsbacke schleudern, finde aber nur einen Spüllappen.

«Zum Glück musste ich nicht blasen», grinst der Mann und fängt den Spüllappen mit der Hand.

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