Es ist wahr, wir wohnen jetzt zusammen. Wir sind zusammengezogen, der Mann und ich. Und alle Gedanken darüber wie das wohl sein wird, sind weg. Jetzt sprechen Tatsachen. Freitagabend: ich fahre zu uns! Letzte Woche noch fuhr ich zu ihm. Manchmal hatten wir uns drei Tage nicht gesehen. Jetzt also zu UNS. Ich werde hinaufsteigen in den dritten Stock, in unsere Penthouse-Wohnung, ohne zu klingeln, ich komme ja nicht zu Besuch ich bin hier zu Hause. Ja, ich bin zu Hause.
Aber schön wäre es schon, wenn er mich so empfängt wie früher (ha, früher, das war gestern). Also klingele ich und warte auf das Summen des Türöffners. Er wird wie immer in der Tür stehen und mich küssen, oder er ist in der Küche und kocht was. Hmmm, ja, lecker, das Chili con Carne, das ich so mag. Wir sprachen gestern darüber. Während ich hinaufeile, ihm entgegen, denke ich daran, wie ich nachher Kerzen aufstellen werde, für unseren Romantik-Abend. Oder gleich zum Essen. Ein Candlelight Dinner.
Ich schliesse die Tür auf, zu unserer Wohnung. Licht brennt in der Küche, wie ich sehe. Ich komme rein und freue mich, doch es duftet nicht nach Essen. Eher müffelt es nach Abfluss. Der Mann kniet vor dem Spülbecken und streckt mir seinen Po entgegen, ein Bauarbeiterdekollete. Nicht gerade verlockend. Ich versuche es mit einer Begrüssung, doch er hört mich nicht, weil er brummelt und flucht: Das Wasser fliesst nicht ab! Er hat alles auseinandergenommen. Rohrteile liegen herum. Ich bin überfordert. Und jetzt? Was soll ich jetzt? «Ich zieh mal meine Schuhe aus», sage ich. Krieg ich keinen Kuss? Kein Essen, keine Begrüssung? Wird das jetzt immer so sein, wenn ich heimkomme? Werden wir in unserer Wohnung in verschiedenen Zimmern sein, uns nicht mehr anschauen und uns Dinge quer durch die Räume zurufen?
«Schatz, hast du die Rechnung bezahlt?»
«Was?»
«Die Rechnuuung?»
«Nein, Reiner hat nicht angerufen»
Wer??
«Du, ich habe heut übrigens die Rechnung bezahlt.»
So wird es sein. Wie bei meinen Eltern.
Ich grummele vor mich hin und lasse den Mann in der Küche zurück. Er hat ja auch nicht nach Hilfe gefragt. Gestern lief das Wasser noch ab, was soll da schon kaputt sein.
Ich gehe ins Sport/Büro/Besuchszimmer und mache mich yogafertig.
Kaum ziehe ich die Leggins hoch, steht er in der Tür: «Bin gleich fertig», sagt er und küsst mich.
Aha, jetzt hat er mich doch wahrgenommen. Wir wohnen zusammen. Da ist auch mal der Abfluss verstopft. Und während ich den Kuss erwidere bemerke ich, wie froh ich bin, dass ich nicht den Vermieter anrufen muss, oder den Sanitär. Zusammenleben hat schon Vorteile.

