Der Mann in meinem Leben: Salsa tanzen

Kolumne in der

Autorin Elke Reinauer

geschrieben von

Elke Reinauer - Die vielseitige Autorin

Journalistin, Autorin, Reisende, Leiterin einer NGO in Namibia, Kreativ-Coach und vieles mehr

In unserer Zeitung war ein Salsa-Tanzabend für Anfänger und Fortgeschrittene inseriert. Ich will da hin, sage ich. Weil unsere Körper gut zusammenpassen, sich mögen und wir neue Freunde finden wollen. Eine Clique aus Salsatänzern. «Da tanzt aber jeder mit jedem», sagt der Mann. Er erklärt mir theoretisch das Wesen der «Rueda». Oh, damit habe ich ein Problem. Ich will das nicht, doch der Mann ist begeistert. Gerne tanzt er fröhlich mit allen möglichen Menschen. Ich hingegen möchte nicht von jedem X-beliebigen herumgeschwenkt werden.

Aber okay. Wir betreten also den Ort des Geschehens. Eine Salsaband spielt. Es gibt eine Bar und alle stehen in Grüppchen herum. Salsabegeisterte Tänzer. Wir sind Anfänger und gesellen uns irgendwie dazu. Ich trage ein schwarzes Spitzenkleid und der Mann ein Jackett. Der Mann bestellt uns etwas zu trinken: Alkoholfreies Bier für sich und Aperol Spritz für die Dame. Ich bin etwas nervös und fühle mich auf dem Präsentierteller, die Location ist so klein und hier scheint jeder jeden zu kennen. Der Mann soll mich herumwirbeln. Doch erst einmal machen wir einen Grundschritt mit zwei rassigen Tanzlehrern, die den Anfängern alles zeigen. Die Menge bewegt sich in einer Reihe: drei Schritte vor, Hüfte, drei Schritte zurück, das geht doch schon mal ganz gut. Wir üben eine halbe Stunde und der Mann ist sehr konzentriert. Er zählt die ganze Zeit innerlich mit und manchmal klemmt er dabei die Zunge zwischen die Lippen, so konzentriert ist er. Danach tanzen wir zusammen. Er führt und ich folge. Immer den Grundschritt machen. Um uns tanzende Paare: Latinos, Kubaner, Schweizer, Deutsche. Der braun gebrannte Salsalehrer steht jetzt auf der Bühne und singt. Auf einmal schiebt sich eine Latina mit Korkenzieherlocken und einem sehr engen Kleid, aus dem ihre Brüste hervorquellen, an uns vorbei. Die Augen des Mannes folgen ihrem Hüftschwung. Sie setzt sich an den Rand und dem Mann fällt ein, dass er genau dort auf der Bank, direkt neben ihr, unsere Getränke abgestellt hat. So ein Zufall aber auch! Ich sehe es ihm an, er freut sich, dass er jetzt rüber gehen darf zu ihr, um unsere Getränke zu holen. Und er freut sich nicht nur wegen ihr, sondern auch über mein entsetztes Gesicht. «Nein, lass doch», sage ich, ganz cool. Er redet jetzt mit ihr. Auf Spanisch. So ein Flirt! Ich grummle vor mich hin und stemme die Hände in die Hüfte. Ich bemerke, dass ein Herr, der an der Wand lehnt, mich beobachtet und feixt. Und anstatt mit unseren Getränken, kommt der Mann mit der lockigen Frau zurück. Die fragt mich, ob sie ihn ausleihen dürfe. Ich sage nein, doch zu spät, sie hat es nicht gehört und die beiden tanzen schon. Ich spüre, wie die Eifersucht in mir hochquillt, wie die Brüste aus dem Dekolleté der Kubanerin. Ich kann gar nicht hinsehen, wie sie ihm die Flötentöne beibringt, deshalb kneife ich meine Augen zusammen. Auf einmal spüre ich am Arm eine Hand. Vor mir steht der gut aussehende Herr, der mich zum Tanzen auffordert. Und ich kann! Obwohl ich eine Anfängerin bin, wirbelt er mich herum wie nichts. Wir legen los wie nichts. Es bildet sich eine Gruppe Menschen um uns, die uns anfeuern. Ich habe den Mann total vergessen und bewege meine Hüften zur Musik. Mein Tanzpartner wirbelt mich immer schneller herum, mir wird schwindelig. Ich spüre, wie der Boden unter den Füssen immer leichter wird. Ich schwebe förmlich in der Luft, blicke auf die tanzende Menge und sehe den Mann, wie er mit offenem Mund zu mir heraufschaut. Ich sehe neidvolle Blicke der dickbusigen Kubanerin. Und vor allem kann ich sehen, dass der Mann will, dass ich wieder zu ihm komme. Meine Eifersucht ist fort. Ich lasse mich fallen, der Mann fängt mich auf: «Das war ja ein wilder Tanz!», sagt er, als wir kurz darauf mit unseren neuen Freunden an der Bar stehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Weitere Artikel, die dich interessieren könnten:

Autorin Elke Reinauer

NEWSLETTER

Erhalte Schreib-Post von mir!

Erfahre zwei Mal im Monat eine persönliche Email von mir, in der ich dir erzähle, was mir in meinem Leben als Autorin besonders am Herzen liegt. Ich nehme dich mit, erlebe alle Höhen und Tiefen mit mir und natürlich auch, wann mein nächstes Buch erscheint.