Soziales Projekt in Namibia: Polonaise im Waisenhaus

Autorin Elke Reinauer
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Elke Reinauer - Die vielseitige Autorin

Journalistin, Autorin, Reisende, Leiterin einer NGO in Namibia, Kreativ-Coach und vieles mehr

Elke Reinauer sitzt lachend mit orangem Stirnband, während fünf Mädchen im Waisenhaus in Namibia ihr die langen Haare zu Zöpfen flechten. Bildtext: Soziales Projekt in Namibia: Was hilft wirklich?

Ein Flugbegleiter namens Rhianna und seine Flugbegleiterinnen tanzen Polonaise durch ein Waisenhaus in Namibia, verteilen Schokolade, machen Selfies mit verschmierten Kindergesichtern und fliegen am nächsten Morgen weiter. Das nennt sich Hilfe. Ich habe an diesem Nachmittag im Township lange darüber nachgedacht, was den Kindern bleibt, wenn alle wieder gegangen sind. Und ob ich mit meinem Projekt Creabuntu wirklich etwas bewegen kann. 

Theater und Kunst im Waisenhaus

Als ich mein soziales Projekt Creabuntu gestartet habe, waren wir in einem Waisenhaus in Katutura, Township von Windhuk. Wir: die Schauspielerin und Theaterlehrerin Elzaan, Künstlerin Elisia und ich. Ich wollte selbst die Kids vor Ort unterrichten. Doch mir ging es wie Sophie, der Hauptfigur in meinem Roman „Rote Makalani“, der am 1. Dezember erscheinen wird: Chaos, Lärm und ein überraschender Besuch.

Rihanna ist da! Besuch einer Flugcrew

Die Kinder sind beim Theaterkurs und in dem Kunstworkshop beim Gestalten von Skulpturen eifrig dabei. Doch es scheint keine Struktur zu geben, ist ein stetiges Kommen und Gehen. Nachmittags um halb drei ertönt ein Ruf: Rihanna ist da! Sofort stürmen alle Kids kreischend nach draussen. Theaterlehrerin Elzaan und ich schauen uns fragend an: Wer ist Rihanna? Es handelt sich um eine deutsche Flugcrew, deren Flugbegleiter tanzen kann wie die berühmte Sängerin, erfahren wir von einem der Kinder. Wie eine Invasion fällt die Crew mit Süssigkeiten und Geschenken in das Waisenhaus ein. »Das machen wir immer, wenn wir Layover haben«, sagt eine Flugbegleiterin. Während die Kids kauend und mit verschmierten Mündern einem Zuckerhoch entgegen segeln.

Hilfe mit zwei Seiten: Süssigkeiten oder Bleibendes

Die Flugcrew teilt Süssigkeiten und Spielzeug aus und dafür bekommen sie Selfies mit den Kids. Sie veranstalten eine Polonaise, zu der sie durch das Waisenhaus tanzen und endlich mal die Hüften schwingen dürfen wie echte Afrikaner. Das nennt sich Hilfe. Ja, alles hat zwei Seiten. Essen verteilen, Selfies machen, Kinder knuddeln und wieder gehen ist eine Seite. Etwas Bleibendes schaffen wollen, die andere. Doch was ist bleibend und hilft wirklich? Manchmal fällt mir darauf keine Antwort ein.

Hier, im Waisenhaus, scheint es üblich zu sein, dass Leute einfach vorbeikommen und Lebensmittel, Kleidung oder Süssigkeiten verteilen. Die Kinder stürzen sich darauf wie wild.

Als die Flugcrew endlich abgeschwirrt ist, machen wir mit dem Theater weiter. Mal sehen, wer morgen mit Süssigkeiten oder Geschenken um sich wirft. 

Kunstausstellung und ein Theaterstück über Respekt

Von weiteren Süssigkeiten-Invasionen sind wir verschont geblieben und konnten Theater- und Kunstkurse fortführen. Am Donnerstag durften die Teilnehmer der Kunstklasse zusammen Kunstwerke aus Acrylfarben gestalten. Die Theaterklasse probt ein Stück zum Thema Respekt. Vieles wird improvisiert, Hauptsache die Kinder haben Spass. Und diesen haben sie auch während der Performance am Freitagnachmittag auf der Terrasse des Waisenhauses. Eine kleine Kunstausstellung mit bunten Bildern und Masken wird von Elisia präsentiert, dann die Performance, die mit einem Tanz endet. Theaterlehrerin Elzaan sagt, sie habe in dieser Woche gelernt, Erwartungen loszulassen. Es muss nicht perfekt sein. Hauptsache die Kinder haben Spass und sind begeistert dabei.

Kinder in Namibia fördern: Das habe ich gelernt

Ich habe auch etwas gelernt. Nach meinem Frust kam ich zu der Schlussfolgerung: Kinder sollten nicht sich selbst überlassen werden. Sie sind die Zukunft und jedes Einzelne kann sich entwickeln und das eigene Leben positiv gestalten. Das heisst nicht, dass sich das Township verändern wird, oder die Abläufe hier. Das heisst für mich, ich kümmere mich um die Kinder. Und das tue ich bis heute. Nicht mehr selbst als Dozentin, das überlasse ich den Lehrern vor Ort. Ich organisiere hinter den Kulissen Spenden und Abläufe. 

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