Mein Schreibzimmer in Trossingen: Warum eine Autorin zwischen der Schweiz und Deutschland pendelt
Ich lebe in Gottlieben am Seerhein, und trotzdem fahre ich regelmässig in mein Schreibzimmer nach Trossingen. Hier erzähle ich, welche Orte meine Geschichten inspirieren und was ich als Autorin brauche, um gut zu schreiben.
Ein Zimmer in der Heimatstadt Trossingen
Heute habe ich frei und bin in meine Heimatstadt gefahren. Ja, obwohl ich in der Schweiz lebe, pflege ich in Trossingen immer noch ein Zimmer. Seit vielen, vielen Jahren, noch aus meiner Zeit, als ich dort gelebt habe. Und seltsamerweise will ich das nicht aufgeben.
Mein Schreibzimmer als Rückzugsort zum Schreiben
Ich kann euch nicht genau sagen, was mich so sehr an Trossingen bindet. Vielleicht, weil ich dort aufgewachsen bin. Vielleicht, weil man überall Musik hört, wenn man auf die Strasse tritt. Vielleicht ist es ein Gefühl von Heimat und Vertrautheit.
Hier habe ich mein Schreibzimmer eingerichtet. Ich schreibe hier, ich hänge hier ab, ich gebe hier Schreibworkshops. Das alles könnte ich auch in Gottlieben, wo wir leben. Ja.
Mein Mann sagt zum Beispiel: «Hey, wir haben so eine schöne Wohnung, was musst du da nach Trossingen fahren?» Und ich sage: «Da ist mein Zimmer, da bin nur ich.» Ich tanke auf, es ist wie ein kleiner Kreativurlaub, und ich arbeite dort auch. Hier sind wenig Dinge, und hier bin nur ich. Vielleicht ist es das? In Trossingen sagen Bekannte, wenn sie mich treffen: «Was machst du denn hier, ich dachte, du lebst in der Schweiz?» Tja, sage ich dann etwas verlegen und scherzend: «Einkaufstourismus.»
Kreativurlaub statt Einkaufstourismus
Hier sitze ich heute, schreibe und redigiere. Und ich muss sagen: Dieses Zimmer ist wichtig für meine Arbeit, für mein Buch, für meine Kreativität und einfach für mein Wohlbefinden. Das ist Grund genug, auch wenn es vielleicht nicht jeder versteht.
Wie Orte meine Geschichten inspirieren
Orte inspirieren mich sehr. Sie inspirieren meine Geschichten. Die Atmosphäre eines Ortes, seine Stimmung, das ist für mich einzigartig. Ich spüre, wenn ein Ort mich inspiriert oder eine Sogwirkung auf mich ausübt. Zum Beispiel im Yukon in Kanada, aber nicht generell, sondern ganz konkret: am Flussufer, an der einen Stelle mit dem grossen Felsen. Dieser Ort. Oder in Namibia, im Garten meiner Freundin, die alles so schön bepflanzt hat. Wenn ich dort neben dem ausgetrockneten Pool sitze und ihre grünen Pflanzen sehe: dieser Ort.
Und hier in Trossingen ist es eben dieses Zimmer und dieses Haus. Es hat für mich eine ganz besondere Atmosphäre.
Zwischen der Schweiz und Deutschland unterwegs
Hinzu kommt, dass ich sehr, sehr gerne in Bewegung bin. 50 Minuten dauert die Autofahrt nach Trossingen. Warum fährst du denn so weit? Ich fahre gern Auto, ich bewege mich gern zu verschiedenen Orten, und das brauche ich einfach. Und gleichzeitig mag ich das Leben am Seerhein, dort in der Schweiz, wo wir wohnen. Ich bin dankbar dafür, dieses Privileg zu haben und so mühelos immer zwischen der Schweiz und Deutschland hin- und herzufahren.
Was eine Autorin zum Schreiben braucht
Vielleicht ist die Quintessenz diese: Um zu schreiben, brauche ich volle Batterien, Inspiration, eine gewisse Umgebung. Ich brauche mich, mein Gehirn, meine Gefühle, mein Seelenleben. Das sind meine Ressourcen, also kümmere ich mich um meine Ressourcen, um das, was ich brauche. Andere Autorinnen brauchen andere Dinge, um zu schreiben. Schreiben ist ein organischer Prozess. Schreiben – das bin ich.


