Erster Geburtstag mit Mann

Kolumne in der

Autorin Elke Reinauer

geschrieben von

Elke Reinauer - Die vielseitige Autorin

Journalistin, Autorin, Reisende, Leiterin einer NGO in Namibia, Kreativ-Coach und vieles mehr


Schluss mit überkandidelten Partys, die ich monatelang plane, um mich abzulenken von der Tatsache, dass ich ihn – den Partner – schmerzlich vermisse am Geburtstag. Keine teuren Schuhe mehr für 400 Steine, um mir etwas zu gönnen, das mein Herz erfüllen soll. Nun ist er da, der Mann. Er empfängt mich kochend. Es gibt ein einfaches Abendessen mit Fisch und Kartoffelstampf. Ich rieche einfach ein Zuhause, wenn er kocht. Ich weiss nicht, was er für den morgigen Geburtstag geplant hat, er will mich überraschen. „Da“, sagt er und überreicht mir mit einem Kuss einen Riesenstrauss riesiger Gladiolen. Ich liebe diese Blumen, doch weiss ich jetzt nicht wohin damit. Er erkennt die Misere, nimmt sie mir wieder ab. „Hab keine Vase dafür“, sagt er und stellt sie in sein altes Aquarium. Das ist aber immer noch besser als die scheussliche scheinchinesische Vase, die er einige Monate später dafür anschleppen wird.

Wir hören den ganzen Abend romantische Musik, wir backen zusammen einen Zitronenrührkuchen. Das hab ich mir gewünscht, gemeinsam backen. Das macht Spass, weil wir ein gutes Team sind und ich mich über den Mann amüsiere. Wenn er immer zweifelnde Fragen zum Fortgang der Rezeptur stellt, sage ich nur: Vertrau mir! Unser Zitronenkuchen wird fabelhaft, und der Mann hat zusätzlich noch eine kleine Apfelrahmtorte mit Kerze in der Mitte besorgt – für Mitternacht. Kurz vor Mitternacht also sagt der Mann, ich soll meine Augen schliessen. Ich höre ihn umherhantieren, dann knallt ein Korken, Sekt fliesst über die Flasche, strömt auf den Tisch, gerade noch giesst er den Schaumwein in zwei Gläser. Ja, ich bin überglücklich. Ich finde es so liebenswert, wenn der Mann etwas nervös ist. An seinem Gesicht sieht man’s nicht, nur an seinen Bewegungen. Und daran, wie er nun schnell mit einem Lappen den verschütteten Sekt aufwischt. 

Auf dem Tisch liegen Päckchen. Ich staune nicht schlecht: Ein rosa Jumpsuit ist drin, der, den wir gemeinsam gesehen haben, ich anprobiert habe und der dann ein Loch hatte. Der Mann hat ihn gekauft und nähen lassen. Dazu die passenden Schuhe und eine passende rosa Samtkappe. Ich sehe aus wie ein Boxenluder. Aber etwas eleganter. Dazu gibt es drei Gedichte, die er geschrieben hat, für mich. Romantische Lyrik.

Am nächsten Morgen zaubert er ein opulentes Frühstück mit Sekt, Obstsalat, Zitronenrührkuchen, Lachs, Wurst, Käse, Eier, Ahornsirup. Alles, was wir lieben. Ich fühle mich wie eine Prinzessin. Wir haben noch Zeit, dann müssen wir uns fertig machen. Ich solle ein Thunfischsandwich machen, sagt der Mann, er müsse nochmal kurz weg. Kurz darauf ist es so weit. Er holt mich und führt mich nach unten. Vor der Haustür steht ein weisses Fiat-Spider-Cabrio. Der Mann ist verrückt, ich denke, er hat es geliehen, dann sagt er, dass es gekauft ist, und es geht los… hinein ins Gebirge. 

Ich werde lernen müssen, dieses Cabrio mit Sechsgangschaltung zu fahren. Ich fahre nicht mit Schaltung, ich habe einen Automatik-Führerschein. Aber er schiesst ein Bild von mir, wie ich da mit Sonnenbrille und dem rosanen Hosenanzug hinter dem Steuer hänge. Aaah – ich werde schalten lernen.

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