Goldrausch im Yukon! Wir gehen Goldschürfen. Die perfekte Aufgabe für ein Paar, das erst seit acht Wochen zusammen ist. So war es tatsächlich, der Mann und ich kennen uns erst zwei Monate und schon kommt er mit nach Kanada. Beim ersten Date hatte ich damals erwähnt, dass ich in den Yukon reise und er so: Ist das dort, wo Jack London war? Da hast du gelebt? Ich komme mit!
Gold suchen mit dem Highbanker
Acht Wochen später stehen wir an einem Fluss, irgendwo am Rande von Dawson City mit dem Highbanker, Schaufeln und zwei Goldpfannen. Das Wasser ist eiskalt, es ist Anfang Juni. Wir fühlen den Goldrausch im Yukon.
«Gold ist dort, wo man es findet», sagt David Millar, Inhaber der «Goldbottom Mine Tour». Er hat uns im Goldbottom abgeholt und zum Creek gefahren. Goldbottom war während des Klondike-Goldrausches (1896 bis 1898) eine Stadt mit 5000 Einwohnern.

Alles, was von Goldbottom übrig ist, ist dieses Roadhouse (Bild oben), in dem während des Goldrausches im Yukon (1896 bis 1899) Goldsucher übernachteten. Es ist eines der letzten im Yukon. Im Erdgeschoss ein kleines Museum. Über das Gelände verteilt: Hütten für Gäste, ein Wohnmobil, in dem David und seine Frau Lorraine den Sommer verbringen. Im Winter ziehen sie nach Whitehorse.

Am Highbanker mit David Millar. Wir suchen nach Gold.
David Millar ist ein Goldgräber-Veteran. Seit über 65 Jahren ist seine Familie am Yukon zugange. Mittlerweile besitzt er knapp 70 Claims am Hunker Creek, der Fluss an dem wir arbeiten. Er besitzt auch Mienen und lebt seinen eigenen Goldrausch. Und er weiss, wo das Gold ist. Eine Garantie auf einen Fund gibt er uns aber nicht. Er drückt uns Gummistiefel in die Hand und nimmt uns in seinem Pick-up mit durch unwegsames Gelände.
Schaufeln und Sieben
Am Bach wartet der Highbanker auf uns, ein Gerät mit einer Art Waschstrasse, betrieben von einem Generator. Wasser wird aus dem Fluss gepumpt und läuft durch die Waschstrasse, wo Erde vom Flussbett gewaschen wird. Unsere Aufgabe: Einer schaufelt vom Ufer Erde und Gestein in den Highbanker, der andere sortiert die grossen Steine heraus. Das übrige Material läuft durch Siebe über eine Riffelmatte. Die Rinne ist mit speziellen Gummimatten, Streckmetall und Riffeln ausgestattet, die das schwere Gold festhalten, während Sand und Steine weggespült werden.David erklärt uns, dass der Fluss einmal einen anderen Verlauf hatte, das Flussbett höher lag. Deshalb seien die Chancen gut, in der Erde Gold zu finden. Er überlässt uns sein Funkgerät für alle Fälle. Dann sind wir erst mal uns selbst überlassen.

Angst vor Bären
Wir teilen uns die Arbeit auf. Einer schaufelt, der andere fischt die Steine raus. Wir sind ein gutes Team. In der Wildnis befürchte ich, dass Bären auf uns lauern, und schaue immer mal wieder zu unserer Box mit dem Essen: Kartoffelsalat und Würstchen. Alles vom Vortag, aber noch gut. Doch erst einmal schuften wir.
Meine Hosen sind bereits durchnässt, die Arbeitshandschuhe nicht wasserdicht. Ich frage mich, wie das die Goldgräber von 1898 ausgehalten haben – tagelang im kalten Fluss nach Gold schürfen. Doch das Schaufeln hält mich vom Frieren ab.
Als wir Mittagspause machen und essen, schaue ich immer wieder nach Bären. Keine in Sicht, die uns die Würstchen wegfressen wollen. Zum Glück. Der halbe Goldrausch-Tag ist geschafft.

Unser Goldrausch-Tag im Yukon: ein Traum wird wahr
Ich habe fast zwei Jahre im Yukon gelebt, war aber nie Gold waschen. Ist was für Touristen, dachte ich. Tatsächlich waschen die Touristen mit Goldpfannen in dafür vorbereiteten Becken Gold und besichtigen eine Miene. Der Highbanker hingegen ist was für Leute, die es wissen wollen.
Für den Mann wird mit dem heutigen Tag ein Traum wahr, ein echtes Erlebnis. Egal ob wir Gold finden oder nicht, sagt er. Ich träume von den grossen Nuggets. Diese zu finden sei aber selten der Fall, erklärt uns David, als er in der Mittagspause nach uns schaut. Er zeigt uns die Feinarbeit: Der Goldstaub sammelt sich auf der Matte des Highbankers.
Blöderweise haben wir die Matte am Anfang mit Wasser abgespritzt, um sie sauber zu machen. Bis der Mann darauf kam, dass dort ja das Gold hängen bleibt und wir es von der Matte in einen Eimer auswaschen sollten. Und von dort wiederum in die Goldpfanne, wo es von Hand mit Wasser von den Steinchen separiert wird.

So viel Arbeit für ein bisschen Goldstaub
Das ist gar nicht so einfach, es gibt eine besondere Technik, mit der Wasser vom Fluss aufgenommen wird und die Pfanne gekreist wird, immer wieder schüttet man sorgfältig Wasser mit Steinen weg. Das Gold ist so schwer und sinkt nach unten. Was für eine langwierige Arbeit für ein wenig Goldstaub! Ich muss am Ende des Tages gestehen, dass ich es wahrscheinlich keinen Tag im Goldrausch überlebt hätte am Fluss. Zu kalt, zu nass, zu viel Geduld erforderlich. Ich wäre eher die Geschäftsfrau gewesen, die Leute für sich an den Claims arbeiten hätte lassen…
Zwei Herzen aus Gold
Nach der ganzen Arbeit fährt uns David wieder zurück nach Goldbottom. Vorsichtig balanciere ich die Goldpfanne mit dem in wenigen Wasser schwimmenden Goldstaub auf meinem Schoss. Zurück in Goldbottom füllt seine Mitarbeiterin es uns in ein Röhrchen mit Wasser ab. Einen Goldnugget kaufen wir dann im kleinen Laden in Goldbottom.
David sagt, die grossen Nuggets findet fast niemand. Wir auch nicht. Aber acht Stunden Schaufeln am Fluss reichten, um zwei Herzen aus Gold zu finden. Nämlich das des jeweils anderen.


