Darauf habe ich mich gefreut. Alleinsein in unserer Wohnung. Freitagnachmittag, ich habe frei und kann machen was ich will. Ich kann fernsehen, häkeln, rumhängen, Rotwein trinken oder wahlweise Aperol Spritz. Ich kann Unordnung machen, blöde Sachen essen, die beim Mann nur Kopfschütteln oder Fragen auslösen würden: «Du trinkst dieses Öl?», fragt er zum Beispiel angesichts des Schwarzkümmelöls im Kühlschrank: «Kalt??» «Ja, jeden Tag zwei Esslöffel», antworte ich dann, als sei es das Normalste auf der Welt.
Tatsächlich plane ich schon seit Tagen, was ich als erstes esse, wenn der Mann nicht da ist: Ein perverses Käsesandwich etwa und ich höre schon seine Stimme: «Du schmilzt Reibekäse und legst ihn in einen Toast? Mit Gürkchen???»
Ich darf das! Der Mann ist mit seinen Kollegen zwei Nächte auf einer Hütte in den Bergen. Ich habe Zeit. Okay, ja, ich habe auch etwas zu tun. Unentschlossen mache ich mir zunächst einen Tee. Dann überlege ich, was ich tun will und soll. Der Mann hat bald Geburtstag, ich sollte Kuchen backen. Nachdem ich also geputzt und gebacken habe, ist immer noch so viel Zeit. Erst sieben. Jetzt würde der Mann von der Arbeit kommen. Komisches Gefühl. Soll ich spazieren gehen? Nein, ich schalte den Fernseher an. Nach zehn Minuten schalte ich wieder aus. Ich schenke mir Wein ein, dann bereite ich mein Käsesandwich zu, Haha!! Darauf hab ich mich doch gefreut, aber es schmeckt fade. Ich esse es lustlos und schalte den Fernseher wieder an. Nach einer halben Stunde schalte ich ihn erneut aus und beginne das Gästezimmer aufzuräumen und Möbel zu verschieben für seine Geburtstagsparty. Er kommt ja bald zurück. Ich fühle mich schlecht und unruhig. Und jetzt? Ich schaue in meiner App nach teuren Klamotten, jetzt wäre es Zeit fürs Bett, wenn er da wäre. Auch um Mitternacht will ich nicht ins Bett. Es wirkt fremd. Soll ich vielleicht auf dem Sofa schlafen?
Ich könnte aber auch noch etwas wachbleiben. Ich entscheide mich dafür. Im Haus ist es still. Und die Wohnung ist ohnehin unordentlich jetzt. Ich lese etwas, einen Liebesroman, den ich sonst verstecke, weil peinlich für mich als seriöse Autorin: «Im Tal der lachenden Zitronen», der Nachfolger von «Berg der traurigen Orangen». Ich bin unkonzentriert. Sicher sind die Männer betrunken und marschieren gerade laut singend um die Hütte. Er hatte extra Appenzeller mitgenommen. Widerlich. Grobe Bande. Ich hab es hier viel schöner. Mit meiner Honigmilch und meinem Männerabweisenden-Pyjama.
Ich liege im Bett. Allein. Ich lausche auf Geräusche, da sind keine. Nur irgendwo ein Fensterladen. Keine Schritte knarzen auf den Holzstufen. Der Mann kommt nicht. Ich kann nicht schlafen.
