Auf der Suche nach dem Wüstenchameleon

Autorin Elke Reinauer
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Elke Reinauer - Die vielseitige Autorin

Journalistin, Autorin, Reisende, Leiterin einer NGO in Namibia, Kreativ-Coach und vieles mehr

Einer der Gründe, warum ich Namibia liebe, ist die Namib-Wüste. Ich mag Wüsten. Ich mag die Stille dort, es ist wie das Betreten einer Kathedrale. Den warmen Sand unter meinen Füssen zu spüren, das geniesse ich. Und etwas haben Namibia und der Yukon gemeinsam: Sand. Jede Menge davon. Der Mann hingegen hat von Dünen und Sand in seinem Leben genug. Als Dokumentarfilmer ist er viel gereist, in Länder mit Sand und Wüste. Aber weil wir nun mal in Namibia waren und etwas Besonderes sehen wollten, hatte er sich ein Ziel gesetzt: ein Wüstenchamäleon. Das Namaqua-Chamäleon, einzigartig in Namibia und das schnellste Chamäleon der Welt – drei Kilometer pro Stunde. Ich muss zugeben: Ich bin kein Fan kleiner Tiere. Die Big Five interessieren mich auch nicht besonders; wir haben sie auf einer früheren Namibia-Reise bereits gesehen. Ich habe so grossen Respekt vor Elefanten, dass ich ihnen gar nicht nahekommen muss, nicht mal im Auto.

Es war meine zehnte Reise nach Namibia. Was mich jedes Jahr hinzieht, ist mein soziales Projekt Creabuntu in Katutura, dem Township von Windhoek. Die Kinder bekommen dort eine warme Mahlzeit in der Suppenküche und Unterricht in Kunst und Handwerk; ausserdem nehmen sie an einem Theaterprojekt teil. Ich organisiere Spendengelder, um die einheimischen Lehrpersonen zu bezahlen. Das war also der eigentliche Grund meiner Reise im Februar, das Projekt zu besuchen. Wir sind eine Kooperation mit der Kids Soupkitchen.

Ich geniesse den Sand in der Namib

Unterwegs mit Jürgen

Nach ein paar Tagen im Township reisten der Mann und ich weiter nach Swakopmund, einer Küstenstadt in Namibia. Swakopmund wurde von Deutschen gegründet – Namibia war einst eine deutsche Kolonie (von 1884 bis 1915). Eine kleine Stadt mit Kolonialbauten, die mir gemischte Gefühle bereiten: Ist das noch Afrika? Es sieht nicht so aus. Es sieht aus wie eine Stadt an der deutschen Ostsee. Mit Leuchtturm, einer deutschen Brauerei und Cafés, in denen man deutschen Kuchen essen kann.

Wir reisten in der Nebensaison, am Ende des namibischen Sommers. So waren wir die einzigen Gäste auf der Wüstentour mit Jürgen, unserem deutsch-namibischen Reiseführer. Er erzählt uns, dass er in Namibia aufgewachsen ist und einen grossen Teil seiner Freizeit in der Wüste verbracht hat. Wir fahren mit seinem Geländewagen in die Wüste hinaus. Er hält an, wir steigen aus. Die Stille empfängt mich: absolute Stille, warmer Sand, blauer Himmel. Es ist früh am Morgen, der Atlantik liegt nur wenige Kilometer entfernt, und wir spüren die Meeresbrise. Das Besondere an der Namib-Wüste: Sie liegt direkt am Ozean.

Jürgen erklärt uns, dass die Reiseführer mit dem Auto immer auf denselben Spuren bleiben. Kein Toilettenpapier, kein Abfall in der Wüstem denn alles braucht dort so lange, um zu verschwinden. In manchen Gebieten sind noch die Spuren von Ochsenwagen früher Siedler aus vor hundert Jahren sichtbar. Die Bodenkruste sei fragil, sagt Jürgen. Wer über den Wüstenboden fahre, zerstöre die oberste Schicht. Und einmal gebrochen, erholt sie sich nie wieder.

Jürgen zeigt uns eine Schaufelnasenschildechse – eine der «Little Five».

Jürgen hat scharfe Augen. Er entdeckt eine Schaufelnasenschildechse, die sich im Sand bewegt. Sofort hält er an, springt heraus und rennt so schnell er kann den Hang hinauf – barfuss. Er kommt mit einem kleinen Tier in der Hand zurück. Es ist ein Palmgecko mit Schwimmhäuten, fast durchsichtig mit seiner weissen Haut. Er gehört zu den «Little Five» der Namib-Wüste: der Palmato-Gecko, das Namaqua-Chamäleon, die Schaufelschnauzeneidechse, die Zwergpufferotter (Sidewinder) und die „Tanzende Weiße Dame“ (Riesenkrabbenspinne).

Wasser trinken mit dem Hintern

Die Natur in Namibia ist so genial, hier trinken sie sogar mit dem Arsch!

Mein Lieblingstier: Der Käfer, der mit seinem Hinterteil trinkt. Ernsthaft. Sein Name: der Nebeltrink-Käfer. In der Wüste gibt es keinen Regen, aber morgens Nebel – wegen der Nähe zum Ozean. Dieser Käfer ist ein kleines Wunder. An nebeligen Nächten klettert er auf die Spitze einer Sanddüne, macht einen Handstand, streckt sein Hinterteil in die Luft und lässt das Wasser aus dem Nebel in seinen Mund rinnen. Jürgen gräbt diesen Käfer für uns aus dem Sand. Viele der Tiere – Wüstenechsen eingeschlossen – liegen einfach im Sand und strecken nur den Kopf heraus, während der Rest des Körpers bedeckt ist.

Eine Seitwärtsschleichende Puffotter bewegt sich durch den Sand.

Nun ja: Vier der «Little Five» haben wir gesehen. Kein Namaqua-Chamäleon. Jürgen hat sein Bestes gegeben. Für mich war es genug – aber der Mann gab nicht auf. Zurück in Windhoek lieh uns eine Freundin eine UV-Taschenlampe: Chamäleons leuchten angeblich unter UV-Licht auf, ihre Haut schimmert unheimlich blaugrün im Dunkeln. Und so war der Mann zu später Stunde im Garten meiner Freundin unterwegs, die Taschenlampe auf jeden Ast und jeden Busch gerichtet. Kein Chamäleon. Ich nehme an, das bedeutet: Wir müssen nach Namibia zurückkehren.

Wo Wüste auf Ozean trifft: in Namibia

Tipps für Swakopmund: Hinkommen mit dem Mietwagen oder mit dem Shuttlebus von Windhuk. Übernachten im Delight Hotel Swakopmund, wegen des grandiosen Frühstücksbuffets mit Austern und Champagner. Wir haben die Living Desert Tour gemacht.

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