Jogging

Kolumne in der

Autorin Elke Reinauer

geschrieben von

Elke Reinauer - Die vielseitige Autorin

Journalistin, Autorin, Reisende, Leiterin einer NGO in Namibia, Kreativ-Coach und vieles mehr

Ich zucke verzweifelt mit den Schultern. Dann drehe ich mich um. Der Mann läuft hinter mir. Das heißt er geht. Ich laufe, und zwar zügig. Es regnet, es ist dunkel, es ist kühl. Ich laufe, der Mann trottet hinterher. Wir haben uns vorgenommen, jede Woche zu joggen, fit zu werden. Den ganzen Tag habe ich darauf gewartet, dass wir rausgehen. Wie ein Hund. Ich fühlte mich unruhig. Der Mann wäre lieber zu Hause geblieben. Im Warmen und Hellen. Doch jetzt sind wir unterwegs.

Ich habe dem Widerwilligen einen Spaziergang vorgeschlagen. Zügiges Gehen. Ich bin schließlich seine Trainerin. Das sagt er. Ich soll ihn trainieren. Meinen Vorschlag, dass er ohne mich Sport macht, hat er abgelehnt. Keine Lust. Ich bin dazu auserkoren, ihn zu motivieren. Bisher aber vergeblich. Kann er vielleicht ein wenig schneller laufen, wieso geht er überhaupt immer einige Schritte hinter mir? Ja, ich weiß, die Bedingungen sind nicht ideal. Doch trotzdem muss der Mensch doch einfach mal an die frische Luft. Ich möchte mir kein Strich durch die Rechnung machen lassen. Auch im Regen kann man schnell gehen. Mancher geht da besonders schnell. Aber der Mann geht langsam. Das macht er mit Absicht. Wir kommen an erleuchteten Häusern vorbei, am Supermarkt, der Mann will da rein, man könnte etwas erledigen… ich sage nein. Wir laufen weiter, ich gehe zügig, er schlenkert weiter mit den Armen. Gemütlich. Wenn man uns jetzt sieht, bin ich die Sklaventreiberin? So eine Frau will ich doch nicht sein, die ihren Mann ständig antreibt und hinter sich herzieht. Ich bin sicher: Das macht er mit Absicht, diese aufreizende Langsamkeit.. Um mir eine Retourkutsche zu geben, dafür, dass ich ihn bei diesem Wetter aus dem Haus getrieben habe. Abwechselnd versuche ich, mich auf mich, dann wieder auf ihn zu konzentrieren. Was will ich eigentlich? Ich will joggen und fit werden. Und er? Er will was erleben. Hinein in Migros, dem zweiten Supermarkt, an dem wir vorbeikommen auf unserer Runde. Es regnet immer noch. Ich ziehe die Kapuze stärker ins Gesicht. Jetzt höre ich nicht mehr, was er sagt. Ständig muss ich mich ihm zuwenden und nachfragen, was hast du gesagt? Kann er nicht einfach neben mir, in meinem Rhythmus laufen? Aber nein, er schlenkert immer noch mit den Armen. Brummelt etwas wie «Bei dem Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür». Mir egal, ich laufe jetzt zu. 

Ich will nach Hause. Es war keine gute Idee, wären wir doch nur auf dem Sofa geblieben. Ich bereue es, aber kann und will es nicht zugeben. Das hat doch gutgetan, sage ich betont enthusiastisch, als er endlich daheim ankommt und ich schon Dehnungsübungen mache. Jetzt raus aus den feuchten Klamotten, eine warme Dusche und hinlegen.  Doch nicht mit dem Mann. Während ich ein Glas Wasser trinke,  steht der schon wenig bekleidet und putzmunter, auf dem Teppich, und wartet auf seine Trainerin. Die Trainerin soll mit ihm Yoga-Übungen machen, wie angekündigt. «Den Baum», verlangt er,  für das Gleichgewicht, das sei sehr wichtig. Oder jetzt den hinabschauenden Hund, jetzt Katze-Kuh. Seine Schlappheit ist wie weggeblasen. Jetzt die Kundalini Feueratmung schlägt er begeistert vor, Ich will nicht, sage ich. Doch, du bist meine Trainerin, beharrt der Mann und beginnt zu schnaufen und zu prusten – völlig falsch natürlich. Das nächste Mal kündige ich…

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