Wünsch es dir einfach

Autorin Elke Reinauer
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Elke Reinauer - Die vielseitige Autorin

Journalistin, Autorin, Reisende, Leiterin einer NGO in Namibia, Kreativ-Coach und vieles mehr

Meine kanadische Freundin Bella ist im Manifestierwahn. Von Öfen bis zum Bison – sie manifestiert sich einfach alles. Oder besser gesagt: Ihr Mann Blue tut es jetzt auch, obwohl er nie daran geglaubt hat.

Neulich stand Blue draußen und sagte: „Ich will einen neuen Ofen.“ Bella forderte ihn auf zu beschreiben, wie der Ofen aussehen soll. „Und wir wollen ihn geschenkt haben“, sagten beide in Richtung Himmel über dem Yukon. Eine Stunde später kam ein Bekannter vorbei. Ihr könnt euch denken, was geschah. Genau, die Sprache kam auf den Ofen, und es stellte sich heraus: Er hatte den gewünschten Ofen in der Garage stehen und benötigte ihn nicht mehr.

„Er glaubt ja nicht an so was“, erzählte mir Bella letzte Woche über ihren Ehemann. „Aber ich mache es schon die ganze Zeit und wünsche mir Zeugs.“

Letzte Woche nämlich saßen wir zusammen: Josine, Bella und ich. Als Josine und ich an diesem Abend aus Whitehorse zurückkamen, stand Bellas verrostetes Auto schon vor dem Blockhaus. Sie war mit ihrem Notizbuch gekommen, das lange graue Haar offen. Wir freuten uns so sehr! Sonst sehen wir uns nur online, einmal im Monat zur Schreibgruppe „Cramped Hand», aber nun war ich zu Besuch bei Josine es war die Gelegenheit, sich ohne Bildschirm in die Augen zu blicken

Im Blockhaus war es mollig warm, obwohl wir den ganzen Tag unterwegs gewesen waren. Das Feuer im gusseisernen Ofen sorgte dafür. Während Josine unsere Snacks auspackte: Käse, Cracker und Trauben, setzten Bella und ich uns an den Tisch und redeten.

Bella arbeitet an ihren Memoiren aus der Zeit, als sie in den Siebziger- und Achtzigerjahren durch Australien trampte und so ihren Mann Blue kennenlernte. Die Ofen-Geschichte begeisterte uns so sehr, dass wir beschlossen, gleich weiterzumachen. „Was wünschst du dir?“ Wir legten los, schrieben und beschrieben. Ich schrieb auf: „Ich habe einen Verlag. Einen Verlag für mein Namibia-Buch.“

Nein, leider rief Random House nicht eine Stunde später an. Aber für Bella ging es weiter im Manifestierwahn, beziehungsweise für ihren Mann. Blue konnte nicht mehr aufhören. „Blue manifestiert am laufenden Band“, schrieb Bella am nächsten Morgen im Messanger. Er war aufgestanden und hatte gesagt: „Ich will ein Bison schießen.“

Dazu muss man wissen: Im Herbst erlegen viele Yukoner einen Bison, um Fleisch für den ganzen Winter zu haben. Die Tiere verstecken sich gut, es ist nicht so einfach, sie zu finden. „Da braucht man schon Intuition“, meinte Josine, die auch schon oft mit ihrem Mann auf Bison-Jagd war. „Und man muss manifestieren, manifestieren hilft dabei.“

Blue wurde tatsächlich von einem Freund angerufen, der einen Bison gesehen hatte. Sie machten sich auf den Weg, während Bella zu Hause blieb und einen Freund manifestierte, der beim Zerlegen hilft, sodass nicht die ganze Arbeit an ihr hängen bleibt. Auch das funktionierte schliesslich und das Bisonfleisch füllt nun Bellas Gefriertruhe.

Aufgeregt berichtete Bella mir, wie ihr einst so skeptischer Mann nun täglich manifestiert: „Jeden Tag sagt er, dass die Wolken fernbleiben und es nicht schneien soll, bisher mit grossem Erfolg.“

Josine und ich lachen. Natürlich kann man das Wetter nicht beeinflussen. Aber Manifestieren funktioniert: Werde dir klar, was du willst. Schreib es auf, als wäre es schon wahr. Fühle die Emotion dahinter. Wofür steht dein Wunsch? Freude, Sicherheit, Glück? Fühle es bereits, als wäre dein Wunsch schon erfüllt.

Ich allerdings warte immer noch auf den Anruf von Random-House.

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