Seattle – Erwartungen

Autorin Elke Reinauer
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Elke Reinauer - Die vielseitige Autorin

Journalistin, Autorin, Reisende, Leiterin einer NGO in Namibia, Kreativ-Coach und vieles mehr

Die heimlichen Träume, dieser Autorin

Ich reise nach Seattle und schreibe dort einen Romance-Roman, der von der Community auf Instagram gefeiert wird. Auf seinem Cover: Ein Mann und eine Frau in einer Umarmung. Im Hintergrund das Cozy Café. Tropes (Ein Begriff, den ich vor einem Jahr noch nicht einmal kannte) wie Second Chance Romance oder Career vs Love… eine Frau verliebt sich in einen Barista. Ich schreibe das Buch nur so runter, werfe es auf den Markt und es wird ein Hit, wie all die Bücher, die ich jeden Tag auf Instagram sehe… doch: Dann kam alles ganz anders.

Die Lücke zwischen Erwartung und Realität: Auf Café-Suche in Seattle

Die Lücke zwischen meinen Erwartungen und der Realität sorgt für die besten Geschichten. So wie in Seattle. Auf der Suche nach dem perfekten Coffeeshop für meine Geschichte fand ich eine Café-Tour. Ich hatte diese Café-Tour schon zu Hause gebucht, denn für mein neues Buch suchte ich das perfekte Café. Ich stellte mir vor, der Regen fällt auf die düsteren Straßen Seattles. Es ist nass und drinnen sind hell erleuchtete Coffeeshops. Mit Ledersofas und Backsteinwänden, warmes Licht und ein Barista, der mich mit charmantem Lächeln empfängt. Einem angenehmen Geräuschpegel aus dem Surren des Milchschäumers und leiser Musik. Der Duft von frisch gemahlenen Kaffeebohnen und Zimt. Hier wird mein Roman spielen, habe ich gedacht. Ich will dieses Café sehen und finden. Wie schwer kann es sein, in einer Stadt, die als amerikanische Kaffeehauptstadt gilt, einer Stadt, in der Starbucks gegründet wurde? Ich will Inspiration und auf den fiktiven Spuren meiner Geschichte sein.

Ankunft in der Kaffeehauptstadt

Ankunft in Seattle. Die Sonne scheint in der regenreichsten Stadt am Pazifik. Ich warte auf meine Kaffeetour im verabredeten Kaffeehaus. Man hat mir mitgeteilt, fünfzehn Minuten früher da zu sein. Das bin ich. Aber weit und breit keine Kaffeetour. Keine Führerin, die mich mit Fähnchen erwartet. Das Café sieht nett aus. Auf der Theke tropft Kaffee durch Porzellanfilter in Glaskaraffen, die Baristas tragen alle Wollmützen, die Wände sind schwarz gestrichen. Meine Führerin erscheint, eine unscheinbare verhuschte Frau, die sich als Cameron vorstellt und nicht aus Seattle stammt, sondern erst vor einem halben Jahr aus Colorado hergezogen ist.

Die Aroma-Skala: Geschmacksrichtung Pappe

Wir gehen zur ersten Kaffeeprobe über. Sie bringt mir einen Kaffee im Pappbecher und zieht einen Ordner aus ihrer Tasche, aus dem sie das Aroma-Rad entnimmt. Ich kenne das bereits: In Regenbogenfarben sind verschiedene Geschmacksrichtungen kreisförmig aufgelistet. Von süß über bitter und salzig und alle Nuancen dazwischen. Ich soll sagen, an welchen Geschmack mich der Kaffee erinnert. Ich nehme einen weiteren Schluck Kaffee und entscheide mich spontan für die Geschmacksrichtung Pappe. Dann erzähle ich Cameron, dass ich einen Roman schreiben will und dafür noch das Setting suche, das Cozy Café. Sie nimmt es zur Kenntnis. Sie sagt, sie kann mir eins empfehlen, aber nicht von der Tour abweichen. Nächste Station: Starbucks, der hier gegründet wurde. Wir gehen aber nicht rein, worüber ich ganz froh bin, denn die Schlange ist wieder mal gigantisch lang.

Storyville: Fast perfekt

Cameron führt mich in ein Gebäude nebenan, ins Storyville Café. Endlich. Ein Feuer prasselt im Kamin, orangene Lichtelemente sorgen für gemütliche Atmosphäre. Leise Musik, viele Gäste sind am Lernen oder am Laptop. Der Blick durch die bodentiefen Fenster geht hinaus auf den belebten Public Market, den Farmers Market gegenüber. Wir werden hier keinen Kaffee trinken, sagt Cameron, als wir Platz nehmen. Du hast aber die Gelegenheit, eine kostenlose Tasse mitzunehmen. Sie hält mir ein Schild mit einem QR-Code hin, den ich scanne und mir eine kostenlose Tasse an der Theke abhole. Dann bekomme ich noch eine Zimtschnecke serviert. Ich mache einen weiteren Strich auf der Geschmacksskala bei P wie pappsüß.

Ghost Alley und das Ende der Suche

Weiter geht’s zur Ghost Alley, zum Ghost Alley Café. Während Cameron noch über Kaffee, Bohnen und Anbau referiert, wäre ich gern in dem Kaffeehaus geblieben. Ich beschließe aber, später am Tag zurückzukehren. Ghost Alley – hier soll es spuken und der Geist des Gründers des Farmers Market herumgeistern. Leider kommen wir bei der Tour auf der Geschmacksskala nicht über P hinaus. Als wir bei Café fünf wieder so einen seelenlosen Raum mit Lüftungsschlauchen an der Decke und einem mürrischen Barista betreten, habe ich längst aufgegeben. Dann erfinde ich das Café für meine Geschichte eben.


Seattle-Tipps

Wo übernachten?

Mayflower Park Hotel – Ein historisches Hotel aus dem Jahr 1927, das den Geist der Roaring Twenties atmet. Die Hotelbar Oliver’s Lounge ist ikonisch und war 1976 die erste „Daylight Bar“ im Staat Washington – die erste Bar mit bodentiefen Fenstern, durch die Passanten von der Straße aus zusehen konnten, wie Cocktails gemixt wurden.

Tour: Underground

Beneath the Streets – Hier geht es in die versteckte unterirdische Stadt. Nach dem Großen Brand von 1889 wurde Seattle um eine Etage angehoben. Die alten Straßen und Eingänge blieben unter der Erde und wurden später während der Prohibition als Speakeasys genutzt. Die einstündige Führung durch die unterirdischen Passagen des historischen Pioneer Square ist ein absolutes Muss!

Und natürlich:

Die Space Needle nicht vergessen – Seattles ikonisches Wahrzeichen aus dem Jahr 1962.

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