Swakopmund Reisetipps: Zwischen Schwarzwälder Kirschtorte und Wüste

Autorin Elke Reinauer
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Elke Reinauer - Die vielseitige Autorin

Journalistin, Autorin, Reisende, Leiterin einer NGO in Namibia, Kreativ-Coach und vieles mehr

Meine Tipps für die Stadt, in der mein Namibia-Roman spielt

Das ist doch nicht Afrika, denke ich jedes Mal aufs Neue, wenn ich hier ankomme. Und doch fühle ich mich in Swakop zu Hause: Ob es an der Schwarzwälder Kirschtorte im Café, ein Bierhaus mit deutscher Speisekarte liegt? Oder am Atlantik, der sich hier so weit ersteckt, kann ich nicht sagen. Ja, die Deutschen haben Spuren hinterlassen in Namibia, das einst Deutsche Kolonie war. fast überall höre ich deutsches Stimmengemuremell aber dann steigt eine Gruppe Himba-Frauen aus einem Taxi und breitet ihr Kunsthandwerk im Park unterm Leuchtturm aus, während eine Herero-Frau in einem knalligen Kleid nach Touristinnen für ein Foto Ausschau hält. Afrika und Europa verschmelzen hier in Swakop. 

Ich war schon so oft in Swakopmund, dass ich die Strassen mittlerweile im Schlaf finde. Kein Wunder, dass die Stadt zur Kulisse für viele Szenen meines neuen Romans geworden ist. 

Swakop ist Afrika für Anfänger, hier kann man sich sicher fühlen und hat die Namib-Wüste gleich um die Ecke. Dazu habe ich hier bereits einen Artikel geschrieben.

Deutsche Kolonie Namibia: etwas Geschichte für den Anfang

1884 kamen die ersten Deutschen, steckten ihre Flagge in den Sand, und bis 1915 war das Ganze deutsche Kolonie, Deutsch-Südwestafrika. Fast alles musste eingeschifft werden, sogar der Sand fürs Häuserbauen, weil der Wüstensand vor Ort zu salzig war. Schiffe konnten wegen der wilden Brandung nicht direkt anlegen, also heuerte man Arbeiter aus Liberia an, die die Leute in kleinen Booten durch die Gischt an Land ruderten. Wer es geschafft hatte, stieg auf einen Ochsenkarren und zog weiter ins Landesinnere. 

Mein Lieblingshotel: The Delight

Meine erste Empfehlung ist auch die, wo meine Romanfiguren absteigen: The Delight, ein Art-déco-Hotel der Gondwana Collection, mitten im Zentrum, ein paar Minuten zu Fuss vom Strand und von der Mole. Die Innenausstattung gefällt mir persönlich so gut, dass ich sie meinen Figuren praktisch eins zu eins geschenkt habe.Ausserdem ist das fürhstücksbuffett einfach nur traumhaft mit Austern und Champagner! Hier schwelgen auch meine Romanfiguren. 

Der Leuchtturm und der alte Bahnhof

Der Leuchtturm, rot-weiss gestreift, ist das Wahrzeichen der Stadt, er könnte genauso gut an der deutschen Küste stehen. Ein paar Schritte weiter der alte Bahnhof von 1898, heute Hotel und Casino. Wenn ich den Innenhof betrete, steht für mich jedes Mal kurz die Zeit still. So wie in Dawson City übrigens, das kennt ihr ja von meinen Kanada-Geschichten. Einen Goldrausch gab es in Namibia nicht, aber 1908 fand ein Eisenbahnarbeiter einen Diamanten im Sand, und die Deutschen begannen bald darauf, systematisch danach zu graben.

Fischessen: Ocean Cellar

Für den Abend schicke ich euch, so wie meine Romanfiguren, ins Ocean Cellar im Strand Hotel, direkt auf der historischen Mole, mit Blick über den Atlantik. Erst kürzlich zum besten Restaurant Namibias gekürt, bekannt für Austern, den Sushi-Tresen und Gerichte mit frischem, lokal gefangenem Fisch. Draussen unter Palmen sitzen, den Wind im Gesicht, drinnen die Köche bei der Arbeit beobachten. Genau die Kulisse, die ich für eine meiner wichtigsten Szenen gebraucht habe. Allerdings können die beiden ihr Essen nicht so geniessen wie ich. Aber dazu bald mehr.

Eine Szene, die schmerzt: das Marine-Denkmal

An der Promenade steht das Marine-Denkmal, gewidmet den deutschen Soldaten, die im Herero- und Nama-Krieg von 1904 bis 1908 ums Leben kamen. Auch hier spielt eine Szene meines Romans, keine leichte. Das Denkmal ist umstritten, immer wieder mit roter Farbe übergossen, weil der Krieg heute offiziell als Völkermord gilt und viele finden, das Denkmal ehrt die falsche Seite. 2021 haben sich Deutschland und Namibia auf Zahlungen von umgerechnet 1,3 Milliarden Dollar über dreissig Jahre geeinigt, ein Abkommen, das viele Betroffene bis heute für unzureichend halten. Wenn man davorsteht, merkt man: Diese Geschichte ist nicht abgeschlossen. Und dieses Denkmal bietet in meinem Roman die Kulisse für eine Schlüsselstelle. Ja, es geht nicht nur um Liebe in meinem Buch, der Kolonialismus schwingt immer mit.

Wer mehr wissen will: kommt mit auf eine Führung

Wenn euch das alles genauso gepackt hat wie mich, kann ich euch nur eine Stadtführung mit Jana Marie Backhaus empfehlen. Sie lebt seit Jahren in Swakopmund, kennt die Stadt und ihre Widersprüche in- und auswendig, und bietet über ihr Projekt Namibia Audioguide geführte Stadtspaziergänge und Audioguides durch Swakopmund an, dazu den Podcast Exploradio. Auf der Tour geht es um die deutsche Kolonialgeschichte, um die Zeit davor und danach und ums heutige Namibia, ehrlich und ohne Beschönigung. Buchen könnt ihr über die Website oder per WhatsApp unter +264 81 3825712, Jana findet ihr auch auf Instagram unter @janamariebackhaustors.

Zum Schluss: die andere Seite der Stadt

Zehn Kilometer ausserhalb hört die Postkartenidylle auf. Kein Schwarzwälder Kirschtorte mehr, kein deutsches Stimmengewirr, sondern ein Meer aus Wellblechhütten, das sich immer weiter in den Sand hineinfrisst. Menschen ziehen aus den Dörfern im Norden hierher, in der Hoffnung auf Arbeit. Auch das gehört zu Swakopmund. Die Stadt hat zwei Gesichter.  Hie rbetreibt Der Künstler Laidlaw Peringanda hat in Namibia das „Swakopmund Genocide Museum“ gegründet. Ein privates Museum im Townbship hier die Webseite.

Für Tiere verweise ich nochmal auf meinen Bericht auf der Suche nach dem Wüstenchamäleon. Also, Swakop ist eine Reise wert, und zwar beginnt jetzt die ideale Reisezeit: Wenn es bei uns Herbst wird, wird es in Namibia Frühling. Auf in die Wärme: Achtung, Dezember ist der Hauptmonat für Swakop, dort fliehen alle Windhuker in die Sommerfrische, denn am Atlantik ist es immer angenehm frisch. 

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